Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Martin
Bartenstein präsentierte WKÖ-Präsident Christoph Leitl zwei
Studien des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) zum
"Internationalisierungsgrad des österreichischen Bildungssystems"
sowie zum "Fremdsprachenbedarf der österreichischen Wirtschaft".
Die Conclusio der beiden Erhebungen ist, dass Österreich zwar am
richtigen Weg sei, aber dennoch ein großer Bedarf an Verbesserungen
bestehe. "Österreichs Bildungseinrichtungen müssen Jugendlichen die
Grundlagen für ein Berufsleben in einer international werdenden
Wirtschaft mitgeben", betonte WKÖ-Präsident Leitl.
Dazu zählen eine
fundierte Vermittlung und konkrete Anwendung von Fremdsprachen, vor
allem von Englisch, sowie die Beschäftigung mit grundlegenden
Zusammenhängen und Funktionsweisen der internationalen Wirtschaft.
Beides seien die Voraussetzungen für eine Tätigkeit im Export, denn
der Export ist einer der wichtigsten Faktoren der österreichischen
Wirtschaft und der wesentlichste Motor der Konjunktur - 1,5 Millionen
Jobs sind von Waren- und Dienstleistungsexporten abhängig.
Leitl: "Heuer werden wir erstmals beim Exportvolumen die magische
Grenze von 100 Mrd. Euro überschreiten und beim Ziel, bis 2007 die
Zahl der exportierenden Unternehmen von 15.000 im Jahr 2002 auf
30.000 zu verdoppeln, sind wir voll im Zeitplan."
Waren- und
Dienstleistungsexporte erreichen zusammen deutlich mehr als 50% des
österreichischen BIP. Zusätzlich wird Österreich auch bei
Auslandsinvestitionen immer stärker.
Mit 58 Mrd. Euro
österreichischem Investvolumen im Ausland liegt es über dem
Investitionsvolumen ausländischer Unternehmen in Österreich (53 Mrd.
Euro).
"Diese Erfolgsgeschichte eines kleinen Landes wie Österreich
müssen wir fortführen und fördern und dabei müssen wir schon sehr
früh ansetzen, bei der Ausbildung der Kinder und Jugendlichen", so
Leitl. Die Schulen müssen die Lust an wirtschaftlichen Zusammenhängen
wecken. Dabei ist die Vermittlung von Sprachen unabdingbar.
Leitl: "Englisch ist die Wirtschaftssprache und die Weltsprache,
daher soll Englisch zur österreichischen ‚Zweitsprache’ werden." Der
Englischunterricht müsse schon im Kindergarten beginnen, fordert
Leitl.
Bei der Schwerpunktsetzung auf Englisch dürfe aber auf die
Bedeutung anderer Sprachen, vor allem aus den angrenzenden
Nachbarstaaten im Osten, nicht vergessen werden.
"Die gemeinsame
Initiative ‚go international’ von Wirtschaftministerium und WKÖ ist
bei der Forcierung der Sprachen und des Wirtschaftswissens ein
wichtiges Mittel", sagte Wirtschaftsminister Bartenstein. Er
bestätigte diesbezüglich, dass die initiative bis Ende 2007
verlängert werde.
Studienautor Thomas Mayr vom ibw ging auf die Ergebnisse der
Erhebungen ein: Demnach seien 80% der Schüler bereit, im Ausland zu
arbeiten, 20% haben bereits einen Auslandsaufenthalt zur
Weiterbildung (Sprachkurse etc.) hinter sich.
Problematisch sei das
Wirtschafswissen der Schüler, so Mayr. 50% der Schüler geben an, dass
sie nur unzureichend über Wirtschaft informiert werden. Mayr: "Das
ist erschreckend, da das in den Lehrplänen verlangt wird.
Es mangelt
offensichtlich an der Umsetzung." Ebenso falle negativ auf, dass 68%
der Sprachlehrer Österreichs keine Fachausbildung im Ausland gehabt
haben. Daher stehe die Forderung, dass jeder Sprachlehrer zumindest
ein Auslandssemester ablegen müsse. Mayr: "Hier ist höchster
Handlungsbedarf geboten." Diesbezüglich seien auch die Lehrpläne zu
reformieren, meinte Leitl abschließend.