Aktualisiert am 09.09.2010
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Tourismus: Stark trotz Krise

Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise sind zwar im Tourismus noch immer spürbar, doch die befürchteten Einbußen blieben unter den Prognosen. Trotzdem sank im Vorjahr die Beschäftigung am Tourismus-Arbeitsmarkt und es gab weniger offene Stellen.
 


 
  "Die Krise ist zwar im österreichischen Tourismus angekommen, das prognostizierte Ausmaß ist aber nicht eingetreten", meint Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, angesichts der aktuellen Daten zum Fremdenverkehrsbereich. Stattdessen war 2009 das "fünftbeste" Tourismusjahr der Geschichte.

"Das zeigt wieder einmal: Viele in der Branche jammern auf hohem Niveau", so Kaske. Im Vergleich mit vielen anderen Wirtschaftsbereichen ist der Tourismus also mit einem "blauen Auge" davongekommen. Mit mehr als 34,4 Millionen Nächtigungen, das entspricht einem Plus von 1,6 Prozent, waren die österreichischen Gäste die "Bilanzretter und -retterinnen" 2009.

"Die Beschäftigung in der Branche ist im Jahresdurchschnitt 2009 auf 178.722 Personen gesunken. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 2.265 unselbständig Erwerbstätigen im Tourismus", erklärt Kaske.

Dementsprechend ist die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich gestiegen. Waren es 2008 noch 28.766 vorgemerkte Arbeitslose im Fremdenverkehrsbereich, stieg die Zahl 2009 um 3.804 Personen auf 32.569 (+13,2 Prozent) an.

Demgegenüber steht ein Rückgang der offenen Stellen in der Branche um 19,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2008 waren 5.761 offene Stellen gemeldet, 2009 waren es nur mehr 4.650.

Bei den bewilligungspflichtigen AusländerInnen im Hotel- und Gastgewerbe ist ein leichter Rückgang bemerkbar. 2008 waren 31.099 Personen aus Nicht-EU-Staaten im Tourismus beschäftigt, 2009 um 1,4 Prozent weniger, in Zahlen 30.653 Personen. Noch nicht miteingerechnet sind dabei ArbeitnehmerInnen aus den EU-Staaten.

Buchungslage zufriedenstellend

"Die Krise hat den österreichischen Tourismus sicherlich gestreift, aber zum Glück nicht mit voller Wucht getroffen", bilanziert Kaske. Aktuell sei die Buchungslage in den Winterquartieren zufriedenstellend, und auch die Semesterferien sind gut gebucht.

Die ausgezeichneten Wetter- und Schneeverhältnisse lassen auf eine gute Wintersaison hoffen: "Doch abgerechnet wird am Ende der Saison", stellt der Gewerkschafter fest.

Working-poor im Tourismus

Die Gewerkschaft vida sagt den All-Inclusive-Verträgen den Kampf an: "Wer heute Verträge mit All-In-Klauseln unterschreibt, verdient oft nicht mehr als den Mindestlohn der Branche", weiß Kaske aus der Praxis.

Der Tourismus ist von der Lohn- und Gehaltsstruktur bereits im unteren Drittel der Einkommen angesiedelt. Durch All-In-Klauseln in den Arbeitsverträgen sind die Beschäftigten oft gezwungen, 10 Stunden und mehr pro Tag zu arbeiten, ohne dafür einen zustehenden Ausgleich zu bekommen.

Auf diese Weise entsteht eine soziale Schieflage: "Die Unsitte der Arbeitgeber, All-In-Verträge zu verlangen, hat auch Auswirkungen auf die soziale Sicherheit in unserem Land und nicht zuletzt auf deren Finanzierung", warnt Kaske. Und das betrifft nicht nur den Tourismus, obwohl hier weit verbreitet: "Geschätzt wird, dass es über alle Branchen gerechnet rund 700.000 ArbeitnehmerInnen gibt, die All-In-Verträge unterschrieben haben", so der vida-Vorsitzende. Das wären rund 20 Prozent aller Arbeitsverträge.

Weniger Lehrlinge im Tourismus

Trotz offener Lehrstellen ist der Tourismus nicht die erste Wahl von Lehrstellensuchenden. Waren es Ende Dezember 2008 noch 14.495 Lehrlinge im Hotel- und Gastgewerbe, waren es 2009 nur mehr 13.546 Lehrlinge (-6,5 Prozent). Damit ist im Tourismus der größte Rückgang aller Branchen im Vergleichszeitraum zu verzeichnen.

Für den vida-Vorsitzenden Rudolf Kaske ein Alarmsignal: "Der Branche mangelt es offensichtlich an Attraktivität. Ich lade daher die Wirtschaftskammer und die ÖHV ein, mit uns gemeinsam darüber nachzudenken, wie der Tourismus für junge Menschen wieder attraktiver gestaltet werden kann."

Lehrlinge im Hotel- und Gastgewerbe finden meist schwierige Bedingungen vor. Einerseits werden sehr flexible Arbeitszeiten gefordert, andererseits ist die Bezahlung äußerst schlecht. Gefragt seien daher innovative Konzepte, denn andere Wirtschaftszweige sind dem Tourismus an Angeboten für junge Menschen (Bonuszahlungen für gutes Zeugnis, Führerschein, Matura) weit überlegen.

Gewerkschaft fordert kürzere Probezeit

Robert Maggale, Sekretär der vida-Bundesfachgruppe Tourismus, kennt die Praxis im Tourismus gut: "Einerseits wird von Arbeitgeberseite über mangelnde Mobilität gejammert, andererseits wird den potentiellen ArbeitnehmerInnen nichts geboten." Er kritisiert besonders das Vorgehen der Arbeitgeber, Lehrverträge vorzeitig aufzulösen.

"Völlig überarbeitete und ausgebrannte Jugendliche können ihren Urlaub und ihr Zeitguthaben immer häufiger erst in der Zwischensaison konsumieren", berichtet Maggale. Wenn es überhaupt so weit kommt: Denn die Gewerkschaft vida vermeldet vermehrt Anfragen Betroffener, wonach das Dienstverhältnis vor Ablauf der dreimonatigen Probezeit gelöst wird.

Lehrlinge, auch jene die älter als 18 Jahre sind, werden im Dezember eingestellt, Mitte Februar wird die Zusammenarbeit wieder beendet. "Daher ist es höchste Zeit, die Probezeit auf einen Monat zu verkürzen, um skrupellosen Dienstgebern im Tourismusbereich dieses Schlupfloch zu stopfen", fordert der Gewerkschafter.

 
 
 
 

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